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Validierungs-Landingpage vs Prototyp vs MVP: ein Entscheidungsrahmen
Validierungs-Landingpage vs Prototyp vs MVP: ein Entscheidungsrahmen
Viele Gründer fragen: „Was können wir am schnellsten bauen?“ Die bessere Frage ist: „Welche Evidenz brauchen wir als Nächstes, und was ist die günstigste Fläche dafür?“ Eine Validierungs-Landingpage, ein klickbarer Prototyp und ein dünnes MVP liefern unterschiedliche Arten von Evidenz. Wer das verwechselt, verschwendet Zeit oder bekommt falsche Sicherheit.
Dieser Rahmen hilft dir, bewusst zu entscheiden.
Die Evidenzleiter (und warum sie zählt)
Validierung ist kein einzelner Schritt, sondern eine Leiter. Jede Stufe erhöht die Stärke der Evidenz und die Kosten, sie zu erhalten.
- Problem-Evidenz: Menschen erkennen das Problem und bestätigen Häufigkeit/Schmerz.
- Demand-Evidenz: Menschen sind bereit für eine kleine Aktion (E-Mail, Call, Kalender).
- Lösungs-Evidenz: Menschen bevorzugen deinen Ansatz und glauben, dass er funktioniert.
- Nutzungs-Evidenz: Menschen nutzen das Produkt tatsächlich.
- Retention-Evidenz: Menschen kommen wieder.
Eine Landingpage ist stark für Stufe 1–2. Ein Prototyp erreicht Stufe 3. Ein MVP bringt dich zu Stufe 4–5. Baue das kleinste Artefakt, das dich auf die nächste Stufe bringt.
Eine einfache Entscheidungs-Matrix
Beantworte vier Fragen, bevor du dich für Landingpage, Prototyp oder MVP entscheidest.
1) Welche Entscheidung steht als Nächstes an?
- Problem oder Gesprächsbereitschaft prüfen → Landingpage.
- Workflow oder mentales Modell prüfen → Prototyp.
- Reale Nutzung oder Datenfluss prüfen → MVP.
Landingpages testen Messaging. Prototypen testen Interaktion. MVPs testen Verhalten.
2) Wie falsifizierbar ist deine Hypothese?
Wenn ein „Nein“ schwer zu interpretieren ist, solltest du keine Engineering-Zeit investieren.
- Landingpage: gut für „Gründer mit bezahlten Piloten buchen einen Call.“
- Prototyp: gut für „User verstehen den Flow ohne Anleitung.“
- MVP: gut für „Teams aktualisieren ihre Pipeline wöchentlich.“
Je klarer die Falsifizierung, desto kleiner darf das Artefakt sein.
3) Wie teuer ist die falsche Antwort?
Wenn eine falsche Annahme dich Monate kostet, geh eine Stufe höher. Beispiel: Eine Landingpage kann Interesse an einem B2B-Workflow zeigen. Wenn der Workflow aber komplex ist, brauchst du möglicherweise einen Prototyp, bevor du Pricing festlegst.
4) Wie viel Overhead kannst du dir leisten?
Landingpages sind leicht und schnell iterierbar. Prototypen sind aufwändiger, aber wartungsarm. MVPs erzeugen Support, Daten und Erwartungshaltung. Der Overhead kann deine Iteration verlangsamen. (Genau darum geht es in „Validierungs-Landingpages dürfen kein Overhead sein“.)
Wann eine Validierungs-Landingpage die richtige Wahl ist
Wähle eine Landingpage, wenn deine Unsicherheit vor allem in Positionierung oder Zielsegment liegt. Sie ist ideal, wenn du verschiedene Problem-Statements testest.
Eine Landingpage liefert:
- Saubere Signale für Messaging und Einwände.
- Eine glaubwürdige Oberfläche für Founder-Outreach.
- Ein wiederverwendbares Asset für mehrere Tests.
Wenn du zwischen Zielgruppen oder Value Props schwankst, ist eine Landingpage der schnellste Weg.
Unsicher beim Tool? Sieh dir den Vergleich in „Astro vs Framer/Webflow für MVP-Validierungs-Landingpages“ an.
Wann ein klickbarer Prototyp die richtige Wahl ist
Prototypen sind richtig, wenn du Interaktion prüfen musst, aber noch keine echten Daten brauchst. Sie beantworten Fragen wie:
- „Finden Nutzer die Funktion ohne Anleitung?“
- „Ergibt die Reihenfolge der Schritte Sinn?“
- „Wirkt das Pricing fair, wenn es am Workflow hängt?“
Ein Prototyp ist auch sinnvoll, wenn die Landingpage gut konvertiert, aber Gespräche zeigen, dass der Ablauf unklar ist. Wenn das Problem verstanden ist, aber die Lösung nicht, geh zum Prototyp.
Wann ein dünnes MVP gerechtfertigt ist
Ein dünnes MVP ist nötig, wenn das zentrale Risiko Verhalten ist. Beispiele:
- Das Nutzungsmuster muss wöchentlich sein.
- Der Workflow hängt von Integrationen ab.
- Der Wert entsteht erst nach mehreren Sessions.
Ein MVP muss klein bleiben, aber echt sein. Fake-Buttons bringen dir hier keine valide Evidenz. Wenn du Retention messen willst, brauchst du ein funktionierendes Produkt.
Drei praktische Heuristiken
Die „Minimum-believable“-Regel
Baue das kleinste Artefakt, das ein skeptischer Nutzer noch als real akzeptiert. In manchen Märkten reicht eine Landingpage. In anderen (z. B. Compliance, Finanzen) braucht es einen funktionierenden Flow.
Die „Conversation-to-Usage“-Regel
Wenn du mit einer Landingpage in einer Woche 10 hochwertige Gespräche bekommst, bleib dabei. Wenn Gespräche stocken, weil Leute das Produkt sehen wollen, geh zum Prototyp.
Die „Time-to-Evidence“-Regel
Wenn der Prototyp in 2–3 Tagen Evidence liefert, nutze ihn. Wenn er zwei Wochen braucht, ist er vielleicht langsamer als mehrere Landingpage-Tests.
Beispiele aus der Praxis
- B2B-Analytics: Erst Landingpage für Segment und Schmerz, dann Prototyp bei stabiler Nachfrage.
- Consumer-Habit-App: Landingpage allein ist schwach, Prototyp für Onboarding ist wichtiger.
- Ops-Tool mit Integrationen: Landingpage für Demand, dann MVP, weil die Integration das Haupt-Risiko ist.
Kurz gesagt
Landingpage für Messaging und Intent, Prototyp für Workflows, MVP für echtes Verhalten. Der Fehler ist nicht, etwas zu bauen, sondern die falsche Evidenzstufe zu wählen.
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